Ein neuer Kratzbaum, aufgestellt, ignoriert. Wochenlang. Die Katze geht daran vorbei, schnuppert vielleicht kurz, und verschwindet dann wieder zum Sofa. Das ist frustrierend – besonders wenn man das Gefühl hat, alles richtig gemacht zu haben.
Meistens hat man es nicht ganz richtig gemacht. Aber das lässt sich oft noch ändern.
Der häufigste Fehler: Der falsche Standort
Das ist die Ursache Nummer eins. Der Kratzbaum steht irgendwo, wo er nicht stört – in der Ecke, hinter einer Tür, im Flur, im Schlafzimmer. Irgendwo, wo er nicht auffällt.
Das Problem ist, dass Katzen nicht irgendwo kratzen wollen. Sie kratzen an Orten, die für sie bedeutsam sind: dort, wo das soziale Leben stattfindet, in der Nähe ihrer Schlafplätze, an Übergängen zwischen Räumen. Das Sofa ist so ein Ort. Ein Kratzbaum im Flur ist es nicht.
Wer den Kratzbaum an einen Ort stellt, an dem die Katze ohnehin nicht viel Zeit verbringt, hat wenig Chancen. Der erste Schritt ist, den Baum direkt neben das Sofa zu stellen – und wenn das bedeutet, ihn mitten ins Wohnzimmer zu rücken, dann ist das eben so.
Der zweite Fehler: Die falsche Höhe
Viele Kratzbäume sind zu niedrig. Kratzen ist für Katzen auch eine Dehnungsübung – sie strecken sich beim Kratzen so weit wie möglich in die Länge. Wenn die Oberkante des Kratzbaums nur bis zur Schulter der Katze reicht, kann sie diese Strecke nicht vollständig ausführen.
Die Faustregel: Die Oberkante des Kratzpfostens sollte deutlich über die ausgestreckten Vorderpfoten der Katze hinausgehen. Für eine ausgewachsene Katze bedeutet das meist mindestens 60 bis 70 Zentimeter Höhe für den Pfosten – eher mehr.
Günstige Kratzbäume mit kurzen Pfosten werden deshalb häufig ignoriert, obwohl das Material in Ordnung wäre.
Der dritte Fehler: Wackeliger Stand
Wenn ein Kratzbaum beim Kratzen nachgibt, kippt oder vibriert, meidet die Katze ihn instinktiv. Kratzen erfordert Gegendruck – das Tier stemmt sich gegen die Fläche, zieht mit den Pfoten. Ein instabiles Möbel ist für diese Bewegung ungeeignet und fühlt sich auch für die Katze falsch an.
Ein guter Kratzbaum muss stehen wie ein Fels. Schwere Bodenplatte, stabiler Aufbau, keine wackelnden Teile. Wer das nicht hat, hat einen Kratzbaum, der nicht benutzt wird.
Was man tun kann, wenn der Baum bereits ignoriert wird
Den Baum ans Sofa rücken – buchstäblich daneben. Die Katze kratzt ohnehin in diesem Bereich, und ein Kratzbaum, der plötzlich im Weg steht, wird zumindest inspiziert.
Dann: Den Baum attraktiver machen. Ein bisschen Baldrian oder getrocknetes Silberkraut in die Sisal-Fasern gerieben wirkt bei vielen Katzen als Einladung. Nicht alle Katzen reagieren auf Baldrian, aber ein Versuch kostet wenig.
Manchmal hilft auch positives Bestärken: Wenn die Katze den Baum auch nur berührt oder kurz schnuppert, ruhiges Loben oder ein kleiner Leckerli. Die Katze verknüpft den Baum mit angenehmen Erlebnissen.
Wenn der Baum dauerhaft ignoriert bleibt
Manchmal liegt es auch am Material. Sisal ist am häufigsten, aber nicht jede Katze findet es befriedigend. Wellpappe, Teppich oder blankes Holz können die bessere Wahl sein. Wer einen komplett ignorierten Baum hat, könnte es mit einer Kratzmatte als Ergänzung versuchen – manche Katzen bevorzugen horizontales Kratzen und nehmen Matten deutlich besser an als Pfosten.
Der Kratzbaum, der nicht benutzt wird, ist nicht zwingend das Ende. Meistens ist es ein Standort- oder Stabilitätsproblem – und das lässt sich lösen.
