Der Umzug ist vorbei, die Kartons sind ausgepackt – und die Katze fängt an, das neue Sofa intensiver zu bearbeiten als das alte je war. Oder sie kratzt an Stellen, die sie vorher nie angetastet hat. Für viele Katzenhalter ist das ein vertrautes, wenn auch frustrierendes Muster.
Warum passiert das ausgerechnet nach einem Umzug – und was kann man tun?
Eine neue Wohnung ist für Katzen eine fremde Welt
Was für Menschen vor allem Aufwand und vielleicht Aufregung bedeutet, ist für Katzen etwas anderes: ein vollständiger Verlust der vertrauten Geruchslandschaft. Der alte Geruch des Teppichs, der Wände, der Ecken – all das ist weg. Was kommt, ist eine Umgebung voller unbekannter Eindrücke, fremder Gerüche, unvertrauter Geräusche.
Katzen orientieren sich stark über Gerüche. Ein neues Zuhause bedeutet: Das Revier muss von Grund auf neu etabliert werden. Und das tun Katzen unter anderem durch Kratzen.
Kratzen als aktive Reviernahme
Das Sofa ist oft das erste große Möbelstück, das in der neuen Wohnung aufgestellt wird – und das erste vertraute Objekt, das nach der alten Umgebung riecht. Die Katze kennt den Geruch des Sofas. Sie springt drauf, schnuppert, fühlt sich halbwegs sicher.
Und dann kratzt sie. Nicht aus Trotz, sondern weil sie diesen vertrauten Gegenstand mit dem eigenen Duft verstärkt markiert – als Anker in einer fremden Umgebung. Das Sofa wird zum Ausgangspunkt der Reviernahme.
Das erklärt, warum das Kratzen am Sofa nach einem Umzug oft intensiver ist als vorher: Die Katze hat mehr Bedarf nach Markierung, und das Sofa ist der sicherste Ausgangspunkt dafür.
Wie lange dauert das?
Die meisten Katzen gewöhnen sich innerhalb von zwei bis vier Wochen an die neue Umgebung – wenn die Eingewöhnung ruhig verläuft und sie genug Zeit bekommen, die neue Wohnung auf ihre eigene Weise zu erkunden. Das intensive Kratzen nimmt in dieser Zeit in der Regel deutlich ab.
Wer die Eingewöhnung aktiv unterstützt – die Katze nicht drängt, ihr vertraute Gerüche mitgibt (alte Decken, Kissen), ihr Rückzugsorte anbietet – hilft dabei, die Stressphase kürzer zu halten.
Was man tun kann, ohne die Eingewöhnung zu stören
Den Kratzbaum oder das Kratzbrett sofort in der neuen Wohnung aufstellen – am besten bevor die Katze die neue Umgebung zum ersten Mal betritt. Ein vertrautes Kratzmöbel neben dem vertrauten Sofa gibt der Katze von Anfang an eine erlaubte Markierungsfläche direkt dort, wo sie sie braucht.
Das Sofa in den ersten Wochen an den bevorzugten Stellen mit doppelseitigem Klebeband schützen ist eine sinnvolle vorübergehende Maßnahme. Nicht dauerhaft – die Katze braucht auch die Möglichkeit, die neue Umgebung anzunehmen. Aber als Überbrückung, bis die Gewohnheiten sich einpendeln, ist es hilfreich.
Was man vermeiden sollte: Die Katze in dieser Phase für das Kratzen zu bestrafen oder zu bremsen. Sie befindet sich in einem Stresszustand und braucht Sicherheit, keine zusätzliche Verunsicherung. Das Kratzen ist ihre Art, mit der Situation umzugehen – und das ist so lange in Ordnung, wie man parallel dafür sorgt, dass es auf erlaubten Flächen stattfindet.
Nach einigen Wochen, wenn die Wohnung für die Katze vertraut geworden ist und sie ihren Platz gefunden hat, normalisiert sich das Verhalten in der Regel von selbst.
